Gute Noten für das duale Ausbildungssystem
"Zukunft gestalten" -IHK und Gewerbeakademie erörterten mit Experten die Chancen von Schule und beruflicher Ausbildung

VON UNSERER MITARBEITERIN ANNETTE MAHRO

SCHOPFHEIM. Eine Berufsausbildung ohne Betriebe? Undenkbar, meinen Bildungsverantwortliche aus der Region Hochrhein-Bodensee. Zeitgleich mit der Zusage der Wirtschaft von jährlich 30000 zusätzlichen Lehrstellen und dem Verzicht auf die Ausbildungsplatzabgabe diskutierten in Schopfheim Ausbildungsverantwortliche über das duale System. Zum Thema "Zukunft gestalten -Schule und duale Ausbildung" hatten die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee und die Gewerbeakademie Schopfheim eingeladen.

In der Diskussion bestand zwar nicht über jede These Einigkeit. Unter Moderation von Arno Baumann, Leiter der Gewerbeakademie, erhielt das duale Ausbildungssystem aber durchgängig gute Noten. Wäre es zur Ausbildungsplatzabgabe gekommen, so hatten viele befürchtet, wäre die enge Verzahnung von Theorie und Praxis in der deutschen Lehrlingsausbildung zugunsten weiterer Verschulung in Gefahr geraten. Das aber könne in niemandes Sinne sein.

Zwischen Vertretern aus Wirtschaft, Schulen und Behörden wurden Wünsche und Anregungen ausgetauscht. Mehr "Basics" lautete beispielsweise eine mehrfach wiederholte Forderung an die Lehrer. Es mache wenig Sinn, das war vornehmlich aus den Betrieben zu hören, wenn Schüler komplizierte Informatik-Programme beherrschten, dabei aber die Grundrechenarten deutlich zu kurz kämen. Die Wirtschaftsinformatikerin Jessica Zimara ging sogar soweit, die Verbannung von Computern aus den Klassenzimmern anzuregen. Natürlich, relativierte sie, komme es aufs Maß an. Wer sich aber beruflich einmal in Richtung Informationstechnologie bewegen wolle, der brauche deswegen keinen ITKurs in der Grundschule.

Breitere Information an Schulen regten einige Teilnehmer an. Dem widersprach Heiner Baur, Fachbereichsleiter der Montfort-Realschule Zell entschieden: "Wir machen in den Schulen eher zu viel." Informiert werde so Baur, ausreichend, Berufsorientierungstage und -praktika würden angeboten, das Thema Bewerbung oft von mehreren Fachlehrern behandelt. Demgegenüber ist Baur aber seit langem ein engagierter Verfechter einer engeren Verzahnung von Schule und Betrieb. Immer neue Forderungen nach mundgerechter Darreichung hält er dagegen für falsch, es sei ein Irrtum, dass Jugendliche sich nur durch "peppige, pseudo-coole Lernshows" zum Lernen bewegen ließen.

Bei allem Einsatz hält es der Initiator des Arbeitskreises "Realschule und duales System" dagegen für "betriebswirtschaftlichen Unfug, wenn sich 60 Prozent der Abiturienten für eine Lehre entscheiden." Das deutsche Schulsystem sei durchlässig genug, so Baur, im Nachhinein aufzubauen, anstatt in einer Art ParksteIlung aus der Schule heraus, berufliche Entscheidungen hinauszuschieben. Das Fazit hinsichtlich der handwerklich-gewerblichen Berufsausbildung war einhellig. Wolfgang Gabriel formulierte es als Leiter der Schopfheimer Friedrich-Ebert-Hauptschule: "Wir gehen davon aus, dass das duale System das beste der Welt ist und sich auch als Exportartikel gut eignet".

 

Badische Zeitung, 23. Juni 2004

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